Erstmals wurde 1323 urkundlich Rauenstein (Ruwenstein) erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung von Lengefeld stammt aus dem Jahre 1369, wo das Dorf Lenginfeld genannt wird. Doch kann man annehmen, dass die Gründung mit der Burg Rauenstein vermutlich um 1200 entstanden ist. Die Burg Rauenstein erscheint das erste Mal 1323 in den Urkunden. Doch schon 1398 wird Lengefeld erstmals als "Städtchen" irdischen Bergbaues bezeichnet.

 

Durch das Aufblühen des erzgebirgischen Bergbaues kam Lengefeld in den Ruf eines Bergortes. Im Jahre 1522 gründeten die Herren von Güntherode auf Rauenstein mitten im Bauerndorf Lengefeld die Bergstadt Lengefeld. Das dieser Plan lange vorlag, ersieht man daraus, dass sich bei der Gründung Marienbergs 1521 keine Lengefelder, Wünschendorfer und Reifländer Bürger dort mit ansiedelten.

 

Da der große Bergsegen ausbleibt, wurden nur der viereckige Markt von Marienberg und die Anfänge der Straßen bebaut. Einmalig in Sachsen war das Bestehen von zwei getrennten Orten. Das Dorf Lengefeld wurde erst 1835 in die Stadt Lengefeld eingemeindet. Mundartlich haben sich das "Dorf und die Stadt" bis heute erhalten. Die erste Fundgrube "Reich Geschüb" am Lengefelder Wald erscheint in den Akten im Jahre 1537. Sie war im Bereich des Kalkwerkes zu suchen. Von 1537 bis 1851 wurden bis jetzt 67 Fundgrubennamen in den Archiven eingetragen. Sie brachten eine Ausbeute von 3 ½ Zentner reines Silber. Das war gegenüber den großen Bergstädten Annaberg und Marienberg sehr wenig, doch für das Randgebiet des Bergrevieres bedeutend. "Zinnberg, Eysenbergk, Kalkstein und andere Bergkwerke" nennt eine Urkunde aus dem Jahre 1551. Um für Lengefeld den Status einer Bergstadt zu erhalten, wurde immer wieder versucht, die Steuergelder in einer Gemeidezeche anzulegen. Mit der Stillegung der letzten Grube 1851 erloschen auch die Vergünstigungen des Erzbergbaues.

 

Im Kalkwerk wurden 1942 über 20t Bleiglanz und Zinkblende gefunden und der Verhüttung zugeführt. Im Zuge der Suche nach Uran durch die Deutsch-Sowjetische Aktiengesellschaft Wismut 1949 - 1951 kam nochmals das "Berggeschrei" auf. Drei Schächte wurden getäuft und mit 100 Bergleuten belegt. Es gab hier einen eigenen Wismutverkaufsladen für Lebensmittel. Da aber Erze so gering waren, wurde nach der geologischen Untersuchung der Bergbau wieder eingestellt. Das Kalkwerk Lengefeld ist das einzige Bergwerk, welches in Lengefeld ununterbrochen seit 1528 bis heute in Betrieb ist und noch untertage Kalkstein fördert. Damit ist Lengefeld die einzige Stadt in Sachsen, in der heute noch ein Untertagebergbau betrieben wird. Lengefeld ist einer von zehn Orten des Erzgebirges, der in seinem Stadtwappen Schlegel und Eisen führt.

 

Da der Erzbergbau in unserem Ort immer schon ohne großen Erfolg war, mussten sich die Bewohner frühzeitig um andere Erwerbsquellen bemühen. Als Haupterwerb war jahrhundertelang die Leinenweberei ansässig. Die Innung der Leinenweber wurde 1587 gegründet. Nach der Wende und der Einführung der Marktwirtschaft ist der Nachfolgebetrieb Baumwollweberei 1990 eingegangen. Um 1900 arbeiteten noch 450 Hausweber in ihren Wohnungen. Durch die Gründung der Stadt konnten sich viele Handwerker ansiedeln und eigene Innungen gründen, so 1573 die Fleischer, 1576 die Schneider und 1584 die Schuhmacher. Aber auch andere Gewerke waren tätig, wie Schlosser, Tischler, Wagner und Schmiede. Aus der Fleischerinnung ist die über hundertjährige Wurstfabrik hervorgegangen, die im Jahre 1955 nach Olbernhau verlagert und nach der Wende ebenfalls geschlossen wurde. Zwei Holzschleifereien sind um 1960 eingestellt worden. Aus der unteren Schleiferei ist die Erzgebirgs-Fisch GmbH hervorgegangen, die sich auf Forellenmast spezialisiert hatte. Diese wurde 1998 aufgelöst. Seit 1906 ist als größter Betrieb in Lengefeld der Leuchtenbau ansässig. Bis 1990 war dieser Betrieb führend bei der Herstellung von Wohnraumleuchten in Ostdeutschland mit 1000 Beschäftigten.

 

Bedingt durch veränderte Bedingungen in der Marktwirtschaft konnte der Umsatz nicht beibehalten werden. Der Nachfolgebetrieb produzierte noch bis zum Jahre 1999 mit bis zu 50 Beschäftigten. Nach Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion im Jahre 1990 sind in Lengefeld gewachsene Industrien vom Markt verschwunden, wie zum Beispiel die Lederwaren-, Metallwaren-, Hartpapier- und Holzfabrik. Dafür sind neue Geschäfte und Handwerksbetriebe eröffnet und bestehende renoviert und modernisiert worden. Die 1952 gegründete LPG wurde 1991 aufgelöst. Viele Bauern haben sich als Wiedereinrichter mit ihrem Hof selbständig gemacht. Die über Lengefeld hinaus bekannte Haflingerzucht der LPG ist jetzt ein eigenständiger Betrieb. Der geplante Bahnhof in Lengefeld ist 1875 durch die Bevorzugung der Talstrecke nicht gebaut worden und dadurch ist der Ort industriell nicht zum Aufblühen gekommen.

 

Das Werden Lengefelds ist mit der Geschichte des Schlosses Rauenstein eng verbunden. Die Burg wurde am mittelerzgebirgischen Querweg von Freiberg nach Annaberg als Zoll- und Schutzburg des Flöhaüberganges angelegt. 1398 gelangte sie in den Besitz des Markgrafen von Meißen und wechselte öfters die Herrn. Kurfürst August kaufte die Herrschaft Rauenstein 1567 und machte daraus ein Amt. Es bestand bis 1596. Nachdem das Amt zu Wolkenstein gekommen war, wurde es von verschiedenen Pächtern verwaltet. Danach kaufte es 1651 der Pächter von Römer. Nachdem 1743 der letzte Römer gestorben war, ging es an verschiedene Besitzer über. Der erste bürgerliche Eigentümer war 1816 C. A. Hänel aus Schneeberg, der auch auf Herders Ruh begraben liegt. Das Besitztum übergab er 1843 seinem Neffen Freiherr von Herder, einem direkten Nachkommen des bekannten Weimarer Dichters. Nach der Bodenreform in der damaligen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und der damit verbundenen entschädigungslosen Enteignung der Familie von Herder im Jahre 1946 wurde die Burg ab 1949 in ein Kinderkurheim umgebaut und bis 1998 als Kurheim für Mutter und Kind genutzt. Es ist ein bekanntes Baudenkmal der Fachwerkarchitektur von 1630. Die Familie von Herder hat das Schloss mittlerweile vom Landkreis zurückgekauft und bemüht sich um eine sinnvolle Nutzung der ehrwürdigen Gebäude.